Depression, trauriger aber weiser.

Dieser Auszug aus einem Buch erklärt am einfachsten und genausten, einem Menschen der keine Depressionen hat, was genau Depression für MICH ist und immer schon war!

„Depression, so argumentieren einige Sozialpsychologen, ist die Folge einer tiefen Ernüchterung, eines besonders klaren Blicks auf das Getriebe der Welt um uns herum.

Depressive Verzagtheit entsteht durch die Erkenntnis, dass die Welt unverbesserlich und auch durch noch so große Anstrengung nicht zum Guten zu verändern ist. Depressive sind im Grunde Hyperrealisten, sie sind nicht mehr fähig zu jenen lebensnotwendigen positiven Illusionen, die uns – entgegen der Wahrscheinlichkeit – immer wieder neu beginnen und auch das unmöglich Erscheinende versuchen lassen.

Depressive haben die rosarote Brille abgelegt, sie sind „sadder but wiser“ – aber ihre Klugheit macht sie krank. In der Depression liegt die Anerkennung der eigenen Machtlosigkeit: Es hat doch alles keinen Zweck! Positive Illusionen, das zeigt die psychologische Forschung, sind die permanenten und systematischen Selbstüberschätzungen, die wir brauchen, um morgens überhaupt aufzustehen.

Nur wenn wir uns mehr zutrauen, als es unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten entspricht, fassen wir Lebensmut und riskieren etwas. Zum gesunden Menschsein gehört offenbar ein Mindestmaß an Verkennung von Realitäten und fast mutwilliger Unterschätzung der Schwierigkeiten.

Die Passivität, die mit einer Depression häufig einhergeht, ist nach den Erkenntnissen der neueren Forschung in erster Linie ein Selbstschutzmechanismus der überforderten Psyche. Das erschöpfte Selbst zieht sich in eine Schonhaltung zurück.

“ – Heiko Ernst, „Wie uns der Teufel reitet“


Übersetzt vom Englischen bedeutet „sadder but wiser“ im Deutschen Sinne dann „trauriger aber weiser“ was eine gewisse Ironie in sich trägt wie ich finde. Was ein Hyperrealist ist, das wusste ich schon länger, jedoch nicht den Fachausdruck dafür. Eben so wenig fiel es mir immer zu schwer, Depression für nicht Betroffene Menschen passend und anschaulich zu beschreiben.

Natürlich könnte ich mich mit legalen Drogen, auch Medikamenten genannt, zuballern lassen. Das würde mir in mehrerer Hinsicht ganz neue Ansichten verschaffen. Denn so zugedröhnt mit Pharmazeutik wäre ich dann voll auf einem Megatrip durch eine tolle Illusion der Welt.

Mal abgesehen von den üblen Nebenwirkungen dieser Pharmazeutischen Scheisse, gegen die aufeinander treffenden Wirkungen der unterschiedlichen Pharmadrogen wäre die Wirkung von Morphium dann ein Witz. Geistige und Mentale Ruhigstellung nenne ich das, was dann eintreten würde bei so einer Behandlung mit Pharmazeutischen Drogen die dann Medikamente heissen.

14 Gedanken zu „Depression, trauriger aber weiser.“

  1. @psychoMUELL: Besser gefühlt hatte ich mich nur vor der Einnahme dieser Pharmazeutischen Drogen, danach nicht mehr, bei all den tollen Nebenwirkungen. Das ganze dann 4 Wochen erst mal ertragen, weil die Medikamente so lange brauchen bis die gewünschte Wirkung sich entfaltet.

  2. na ja, die Nebenwirkungen sind meist nach 4 Wochen weg oder deutlich reduziert. Wenn sie denn wirklich gut positiv wirken würden, dann würde ich sie auch nehmen – nur sie wirken eben nicht.

  3. Beim Durchlesen des Textauszuges musste ich wirklich schlucken. Ich leide nicht an Depressionen, aber mein Freund. Bei ihm treten „die tiefschwarzen Löcher“ eher phasenweise auf und sind meistens auch situationsabhängig. In dem Text steckt sehr viel Wahrheit. Ich habe meinen Freund und mich darin wiedergefunden. Er, der passive Hyperrealist. Ich, die mit den positiven Illusionen und der rosaroten Brille (die allerdings auch schon sehr blass geworden ist) frei nach dem Motto: „Das kriegen wir schon hin. Das wird schon wieder. Soooo dramatisch ist das doch gar nicht. “ Na, diese Phrasen kennt ein Depressiver bestimmt zur Genüge.

    Auf Susannes Blog bin ich schon vor Jahren gestoßen. Als ich erfuhr, dass mein Freund an Depressionen leidet, habe ich recherchiert, um zu erfahren, was es damit auf sich hat und was ich dagegen tun kann. Was ich von euch gelernt habe ist, dass ich nicht helfen kann und das auch akzeptieren muss. Was ich aber kann, ist da zu sein, nicht nur körperlicher sondern auch mental. Und vor allem: Mund halten und keine „wohlgemeinte“ Tipps abzugeben, wenn der „Seelenfresser“ (so bezeichne ich die Depression mittlerweile) wieder sein übles Werk vollrichtet.

    Blogs wie eure sind wichtig, weil ihr wirklich etwas mitzuteilen habt. Macht bitte weiter.

    An dieser Stelle auch noch viele Grüße in meine alte Heimat Bielefeld.

  4. @Petra: Willkommen in meinem Blog. 😀

    Solche Berichte erfreuen mich, selbst in meinen dunkelsten Zeiten so wie jetzt, immer noch ein bisschen. Weiter machen werde ich auf jeden Fall.

    Danke für deine Worte.

  5. Antidepressiva würde ich nur dann nehmen, wenn Holland wirklich in Not ist. Ständig unter einem Medi-Spiegel zu stehen, auf einer Wolke zu schweben und so in den Tag hineinzuleben kann auch nicht das Ziel sein.

    Ich drück Dir die Daumen, dass Du es ohne Pillen schaffst. Der Stempel „depressiv“ wird von vielen Ärzten auch gerne mal vorschnell aufgedrückt. Nachteil dabei… Dich nimmt hinterher keiner mehr wirklich für ernst. Lass Dich nicht unterkriegen 😉 .

  6. Bisher habe ich jede Depression überlebt und das wird auch weiterhin so bleiben. Auch wenn gleich die Ärzte liebend gern immer zu mich zu den Medikamenten drängen. Weil das ja so das Allheilmittel schlecht hin ist. 😐

    Unterkriegen lasse ich mich bestimmt nicht. 🙂 😀

  7. mit Antidepressiva schwebt man nicht mal annähernd auf einer Wolke!(ein sehr typisches Vorurteil bei Antidepressiva!) Beil vielen wirken sie gar nicht!

    Leider steigt mit der Länge und Schwere der Depression auch das Risiko, diese mal nicht zu überlebeb.

  8. @psychoMUELL: Die einzigsten Wirkungen die mir in Erinnerung geblieben sind bei den Antidepressiva sind deren extremen Nebenwirkungen. Nun gut es gibt auch neuere Medikamente, neues Gift in neuer Verpackung. 👿

    Das ganze Leben ist ein einziges Risiko. 😛

  9. @psychoMUELL: Dem widerspreche Ich, was mein Empfinden angeht.

    Mein Blick wird eher klarer als trüber, je länger die Depression andauert. Der Punkt ist letztendlich der gleiche wie vorher auch schon, wie ich mit den Erkenntnissen aus dieser klareren Sichtweise umgehe.

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