Rentner mit Anfang 30 Lebensjahren, wie ist das?

Gelegentlich werde ich gefragt, wie das so ist mit 30 Lebensjahren schon Rentner zu sein und somit auch eben Rente zu beziehen. Wie ich mit der Rente so auskomme, ob das überhaupt reicht für mich und vor allem aber wie viel Geld mir als Rente zusteht. Ungläubigkeit ist das meistens, was mir mit diesen Fragen entgegenschlägt. Denn immerhin sind 30 Lebensjahre für scheinbar die meisten Menschen absolut kein Lebensalter um von sowas wie Rente überhaupt sprechen zu dürfen, geschweige denn daran gar denken zu können.

Vorurteile warten so gesehen schon innerhalb der fragenden Menschen nur darauf, selbige auch explizit zu bestätigen mit meinen nachfolgenden Antworten. Sowas in der Art wie, der tut nur so als ob um sich ein schönes Leben zu machen und damit auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung zu leben. Sozialschmarotzer eben, die sind eh alle faul und leben nur auf dem Rücken der anderen arbeitenden Menschen. Und überhaupt, sollten solche Menschen gar kein Recht darauf haben an der Gesellschaft zu partizipieren, eben sich beteiligen zu dürfen. Am besten ganz abschieben, irgendwo fern der Gesellschaft, wo selbige Harz 4, Sozialhilfe-Empfänger und Langzeitarbeitslose sowie Frührentner und dieses ganzen Gesindel unter sich sind. 

Oberflächlichkeiten.

Krass beschrieben, weil so krass das manchmal auch rüberkommt. NIE so direkt wie eben beschrieben im realen aufeinandertreffen mit den Menschen, aber hinter der so genanten vorgehaltenen Hand eben schon. Oder auch das Tuscheln hinter dem Rücken des Betroffenen, das kommt oft und ausgiebig immer wieder vor. Die meisten dieser Menschen sind zudem der Meinung, nur weil selbige flüstern würden könnten Andere das gesagte nicht oder nur schlecht hören. Dem ist aber nicht so, denn als Hypersensibler Mensch ist das hypersensibel sein eben Gabe wie auch Fluch gleichermaßen und somit bekomme ich eh immer viel zu viel von allem mit, ob ich will oder nicht.

Dieser krude Gedanke, Wer nicht Arbeitet hat eben auch kein Recht darauf an der Gesellschaft teilzuhaben, existiert immer noch im Großteil der so genannten Gesellschaft. Meistens kommentiere ich diese Vorkommnisse überhaupt nicht mehr, weil ich das schlicht überhöre und somit ignoriere. Nur selten, so wie nun eben, da staut sich all das an Erfahrungen zusammen zu einem großen seelischen Ballast in mir auf, den ich dann von der Seele schreibe um dadurch eben diesen Ballast abzuwerfen und fortan nicht mehr mit mir herum zu tragen.

Zahlen und Fakten.

Rente mit 30 Lebensjahren entspricht meistens dem gleichen Geldsatz wie Harz 4 oder Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe oder wie das sonst noch heißen mag, in der Bürokratie auf dem all diese Transferleistungen der Gesellschaft basieren. In etwa 800,00€ sind das in Summe für einen allein leben Menschen, also einen 1Personen Haushalt mit Miete und Lebenshaltungskosten. Meistens bewegt sich der so genanten Regelsatz bei um die 780,00€ herum, also in etwa eben 800,00€ wie eben genannt. Dazu kann noch irgendwas an Sonderleistungen kommen, etwa bei schweren Gesundheitlichen Problem oder anderweitigen Besonderheiten die alle samt Fachdienstlich anerkannt sein müssen um genehmigt zu werden.

800,00€ für 1 Monat als 1 Personen Haushalt, das erscheint auf den ersten Blick nicht sonderlich viel. Ich kenne sowohl ein Leben mit weniger als auch mit mehr Geld als eben diese 800,00€ pro Monat. Denn ich habe auch mal gearbeitet, direkt nach dem Abgang von der Gesamtschule mit dem Ende der 9. Klasse damals ging ich direkt arbeiten und somit mein erstes selbst verdientes Geld verdienen. Erst in Teilzeit, dann im Wechsel zwischen Teilzeit sowie Vollzeit und später dann meistens in Vollzeit, also 8 Stunden täglich mit geregelten Pausen sowie auch regelmässig eben Überstunden.

Gearbeitet habe ich in vielen Bereichen, meistens jedoch in Sozial geprägten Arbeitsverhältnissen, also immer irgendetwas wo ich viel mit Menschen zutun hatte. Nahe am Kunden eben, wie das in der Arbeitswelt heute noch genannt wird. Kunden orientiere Arbeit hat mir immer am meisten Spass gemacht und eben diese spezielle Arbeit habe ich auch immer zu gesucht, sowie wurde ich dadurch sehr geprägt. In meiner Anfangszeit hatte ich kaum mehr als 800,00€ pro Monat verdient, mal um 100,00€ weniger oder eben mehr. Langsam aber stetig verdiente ich dann mehr, sowohl in Teilzeit wie Vollzeit und pro Monat, da ich mitunter auch Überstunden gut vergütet bekam und manchmal sogar selbige unter der Hand ausbezahlt bekam. Das waren noch Zeiten.

Dann kam ein Lebensabschnitt wo ich das erste mal mehr als 800,00€ verdiente, um die 1200,00€ pro Monat und dazu dann noch Überstunden gerechnet, welche teilweise auch unter der Hand ausbezahlt wurden. Als eine Art von Bonus und manchmal gab es auch einen richtigen BONUS oben drauf, für besonderes herausragende Arbeitsleistung gegenüber der Firma und dem Kunden. Dieser interessante Lebensabschnitt war zwar kurz, gemessen an der übrigen Arbeitszeit, aber dennoch sehr schön sowie auch sehr lehrreich. Denn in diesem kurzen Lebensabschnitt lebte ich so, wie ich das sonst immer zu bei anderen nur gehasst hatte, als Arschloch im Leben.

Was die Frage rein nach dem Geld angeht, also die 800,00€ pro Monat an Miete und Lebenshaltungskosten für mich als 1 Personen Haushalt. Ich komme damit gut aus und habe meistens um die 100,00€ davon am Monatsende noch übrig, also so gesehen noch gespart. Theoretisch auf 12 Monate gerechnet wären das dann als Summe 1200,00€ an „Ersparnissen“ von dem Monatsgeld am Ende des Jahres. Praktisch ist dem aber NICHT so, denn beständig stehen irgendwelche Anschaffungen in Aussicht. Zwar ist mein Konto relativ oft im Plus über 100,00€ und ich könnte ganz legal 400,00€ dazu verdienen ohne Anrechnung, aber wie schon beschrieben ist das NICHT möglich für mich ganz gleich ob ich das nun wollen würde oder nicht.

Was ein mal war, wird nie wieder so sein.

Irgendwann kam dann der Lebensabschnitt, an dem sich alles radikal für mich veränderte. Während meines vorletzten Arbeitsverhältnis damals begannen die Veränderungen sich langsam aber stetig in mein Leben einzuschleichen, um selbiges dann auch nachhaltig zu verändern. Erst waren da nur die üblichen Symptome von zu viel auf ein mal wollen, was mit ein paar Tabletten und mehr Sport von mir ausgeglichen wurde, so glaubte ich damals zumindest das dem so war. Letztendlich begannen diese Veränderungen wohl schon viele Jahre früher, nur eben nicht so radikal, sondern sehr vage und schleichend.

Burnout war dann die Diagnose irgendwann zwischen dem 20. und 24 Lebensjahr herum und was danach mit mir und meinem Leben passierte, war die sprichwörtliche Hölle auf Erden für mich. Innerhalb von einem halben Jahr brach alles in meinem komplett zusammen und schlussendlich brach auch ich zusammen, ich machte Bekanntschaft mit etwas das in der Medizin als Depressionen bekannt ist. Zu erst nur leicht, dann mittel sowie mit Melancholie mal bleiern schwer und mal mässig angereichter, bis hin zu schwer und lebensbedrohlich. Mittel und Schwer sowie die Melancholie sind geblieben seither und ich habe aufgehört die Tage zu zählen an denen ich ohne Depressionen oder mit selbigen bin, denn die Übergänge sind fließend geworden. Chronisch Depressiv sagt mancher Mediziner dazu und manch anderer empfindet die Depressionen nur als ein Symptom eines anderen Problem was bisher gar nicht aufgedeckt wurde.

Mir ist das mittlerweile egal geworden, wie der Grund dafür heißt warum ich nicht so kann wie ich will. Wieso ein Teil meines Körper mich darin behindert, so zu leben wie ich das will. Warum ich die Welt so anders wahrnehme, anders als anders wie ein Großteil der Menschen um mich herum. Ich bin lediglich bisher, noch, froh darüber das meine Depressionen mich bisher nicht umgebracht und mein Leben somit beendet haben. Doch diese Ansicht des Lebens schwindet, mal mehr mal weniger, langsam aber stetig. Und in den nächsten 10 bis 20 Jahren in etwa wird mich das zu einer Prüfung meines Lebenswillen zwingen.

Wie ist das also, Rentner mit Anfang 30 Lebensjahren zu sein?

Gemessen an dieser Kurzform meiner Lebensbeschreibung bisher, ist das Leben jeden Tag auf’s neue für mich extrem hart. Manchmal habe ich schon den Gedanken, das eine gebrochene oder verunstalte Extremität meines Körpers das Leben unter den Menschen etwas angenehmer gestalten könnte, dennoch hält dieser Gedanke nie länger als ein paar Sekunden an. Physische Schmerzen sind wohl was wahres schlimmes im Leben eines Menschen und ob gleich diese Schmerzen je nach Körperregion sehr wehtun können, sind psychische Schmerzen unendlich schlimmer für die Seele des Menschen.

Und obgleich darin Wahrheit steckt, das die Weisheit erst im Alter dem Menschen erscheinen wird eben auch jenen Menschen zugänglich wird die unvorstellbare Seelische Qualen erleiden, tröstet das nur bedingt. Leben ist Schmerzvoll, diese Vorstellung oder gar Annahme ist teilweise in etwas die Hälfte meines Lebens geworden.

Fortan werde ich also jedem Fragenden diesen Text als Antwort präsentieren, schlicht weil ich müde der immer gleichen Antworten und darauf folgenden Diskussionen bin. Eben weil die Diskussion zu den Möglichkeiten von positiven Veränderungen zu komplex sind, als das ein Mensch der davon nicht selbst betroffen ist das auch nur im Ansatz verstehen könnte. Als ein Vorurteil ist das aber nicht zu bezeichnen, auch wenngleich das so den Anschein erregen mag, viel mehr ist das die schlichte Wahrheit hinter der Extreme der Thematik.

Ausserhalb von ein paar wenigen sehr gebildeten Therapeuten in dieser Thematik, ist nur etwa ein Promille an Menschen von nicht selbst betroffenen Laien dazu fähig sich bedingt durch die Komplexität mit dieser Thematik sinn bildend zu verständigen. Das ist durchaus hart beschrieben, entspricht jedoch dem Bild der Realität, leider.

2 Gedanken zu „Rentner mit Anfang 30 Lebensjahren, wie ist das?“

  1. Hallo Stefan,
    da du mir einige Kommentare hinterlassen hast, habe ich mir jetzt auch mal deine Seite angeschaut bzw. Blog.
    Ich finde es super, dass du einen Text über dieses Thema geschrieben hast.
    Ich glaube leider auch, dass nur ein sehr kleiner Teil von Menschen, der nicht selbst von einer psychischen Krankheit betroffen ist, verstehen wird, was du in deinem Text sagen willst. Denn es stimmt, dass „Arbeiten gehen“ ein sehr wichtiges Attribut der Menschen und dieser Gesellschaft sowieso ist.
    Man definiert sich ständig über die Arbeit, über das was man erreicht hat, welche Rolle man eingenommen hat dadurch.
    Alles ist davon beeinflusst, jedes Gespräch auf der Straße was ich so mithöre, dreht sich um die Erwerbsfähigkeit und natürlich ist es sehr beliebt, sich lieber Pillen einzuwerfen und zu Tode zu arbeiten als zuzugeben, ICH KANN NICHT MEHR.
    Deswegen finde ich es toll, dass du das hier tust. Dass du so ehrlich bist. Ich glaube dir, dass das sehr schwierig ist.
    Aber vielleicht ist es auch ein bisschen so, dass du dieses Thema dazu nutzen kannst, Menschen mit denen du persönlich Zeit verbringen möchtest, zu selektieren. Nämlich danach, ob sie in der Lage sind, differenziert genug zu Denken, um zu verstehen und zu akzeptieren. Die Anderen werden vieles andere nämlich wahrscheinlich auch nicht verstehen und sind es deswegen für einen Menschen, der sensibel und einfühlsam ist, auch nicht wert, viel Zeit damit zu verbringen.
    Dass Menschen Fragen haben sei ihnen gestattet, dass sie aber nach so einer ehrlichen Beantwortung nicht verstehen, dass du selbst leidest unter diesem Thema, musst du nicht ständig akzeptieren bzw. dich erklären.
    Manche können nicht und andere wollen nicht verstehen.

    1. Oh, damit hatte ich nun nicht gerechnet, ergo bin ich positiv überrascht. 😉

      Das mit dem selektieren, also dem Aussortieren der Menschen, mache ich schon und mitunter ist auch das sehr schmerzvoll. Vor allem dann wenn sich mancher Mensch langsam aber stetig um 180Grad dreht und ich mit selbigen schlicht nichts mehr anfangen kann dann.

      Veränderungen ist das einzige worauf ich mich verlassen kann im Leben. 🙄

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